6. Oktober 2026 Unabhängiges Wissen zu EMDR und Traumafolgen
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Stabilisierung im Alltag: 10 Übungen, wenn alte Gefühle hochkommen

Wenn ein Trigger plötzlich Angst oder Anspannung auslöst, helfen einfache Techniken, wieder im Hier und Jetzt anzukommen. Zehn bewährte Übungen aus der Traumatherapie zum Ausprobieren.

Stabilisierungsübungen gehören in vielen Traumatherapien zur Vorbereitung auf die eigentliche Verarbeitung. Sie können aber auch unabhängig davon helfen, mit Anspannung, Unruhe oder sich aufdrängenden Erinnerungen umzugehen. Ihr Ziel ist, das Nervensystem zu beruhigen, die Aufmerksamkeit in die Gegenwart zu holen und das Gefühl von Kontrolle zu stärken. Hier findest du zehn bewährte Übungen, sortiert danach, wofür sie sich besonders eignen.

Wichtig vorab: Die Übungen ersetzen keine Behandlung. Probiere sie in ruhigen Momenten aus, damit sie dir vertraut sind, wenn du sie brauchst. Wenn sich eine Übung unangenehm anfühlt, brich sie ab – nicht jede Technik passt für jeden Menschen.

Grounding: Zurück ins Hier und Jetzt

Grounding-Übungen („Erdung“) lenken die Aufmerksamkeit über die Sinne und den Körper in die Gegenwart. Sie sind besonders hilfreich bei Flashbacks, starker Angst oder dem Gefühl, „neben sich zu stehen“.

1. Die 5-4-3-2-1-Methode

Benenne – laut oder in Gedanken – fünf Dinge, die du siehst, vier, die du hörst, drei, die du spürst, zwei, die du riechst, und eines, das du schmeckst. Beschreibe sie möglichst genau: nicht nur „ein Stuhl“, sondern „ein grauer Stuhl mit Holzbeinen“. Wenn es hilft, wiederhole die Runde mit neuen Dingen.

2. Füße auf dem Boden

Stelle beide Füße fest auf den Boden und drücke sie bewusst hinein. Spüre die Fläche unter deinen Fußsohlen, den Kontakt zur Sitzfläche und die Lehne im Rücken. Sage dir innerlich das heutige Datum, die Uhrzeit und wo du gerade bist: „Heute ist Dienstag, ich sitze in meiner Küche, ich bin in Sicherheit.“

3. Starke Sinnesreize

Ein intensiver, angenehmer Sinnesreiz kann helfen, aus einem Erinnerungsstrudel herauszufinden: ein starker Duft wie Pfefferminzöl, ein Kaugummi mit kräftigem Geschmack, ein strukturierter Handschmeichler oder ein Gegenstand mit besonderer Oberfläche. Wähle Reize, die für dich angenehm sind und nichts mit belastenden Erinnerungen zu tun haben.

4. Gegenstände zählen und benennen

Zähle alle blauen Gegenstände im Raum, buchstabiere Wörter rückwärts oder nenne zu jedem Buchstaben des Alphabets eine Stadt. Solche Denkaufgaben binden Aufmerksamkeit und helfen, aus dem Gedankenkreisen auszusteigen.

Atem und Körper: Das Nervensystem beruhigen

5. Verlängertes Ausatmen

Atme ruhig durch die Nase ein und etwas länger durch den Mund wieder aus, zum Beispiel vier Sekunden ein und sechs Sekunden aus. Ein verlängertes Ausatmen kann helfen, den Körper zu beruhigen. Wenn sich die Konzentration auf den Atem unangenehm anfühlt – das ist bei Traumafolgen nicht ungewöhnlich –, passt eine nach außen gerichtete Übung besser.

6. Die Schmetterlingsumarmung

Kreuze die Arme vor der Brust, sodass die Hände etwa auf den Schlüsselbeinen liegen. Klopfe nun abwechselnd langsam mit der linken und der rechten Hand, während du ruhig atmest. Diese Selbstberuhigungstechnik wurde Ende der 1990er-Jahre in Mexiko für die Arbeit mit traumatisierten Kindern entwickelt und nutzt eine langsame bilaterale Stimulation. Wichtig: Sie dient der Beruhigung, nicht der Verarbeitung belastender Erinnerungen.

7. Bewegung

Aufstehen, sich strecken, ein paar Schritte gehen, die Hände kräftig aneinanderreiben oder kaltes Wasser über die Handgelenke laufen lassen: Bewegung und Temperaturreize können helfen, wenn der Körper in Erstarrung oder Übererregung feststeckt.

Imagination: Innere Orte der Sicherheit

8. Der sichere Ort

Stelle dir einen realen oder erfundenen Ort vor, an dem du dich geschützt und wohlfühlst. Male ihn mit allen Sinnen aus: Was siehst du, welche Farben, welches Licht? Was hörst du, wie riecht es, welche Temperatur hat die Luft, wie fühlt sich der Boden an? Gib dem Ort ein Stichwort, mit dem du ihn später schnell aufrufen kannst. Wer sich mit Vorstellungsübungen schwertut, kann stattdessen an eine Person oder ein Tier denken, bei der oder dem man sich sicher fühlt.

9. Die Tresorübung

Stelle dir einen sehr sicheren Behälter vor – einen Tresor, eine Truhe, einen Container. Packe belastende Bilder, Gedanken und Gefühle in Gedanken hinein, verschließe ihn sorgfältig und lege den Schlüssel an einen Ort, den nur du kennst. Die Übung bedeutet nicht, Belastendes für immer wegzusperren, sondern es vorübergehend beiseitezulegen, bis ein geeigneter Moment zur Bearbeitung da ist – etwa die nächste Therapiesitzung.

Vorsorge: Vorbereitet sein

10. Ein persönlicher Notfallkoffer

Sammle Dinge, die dir in schwierigen Momenten helfen: einen Duft, ein Kaugummi, einen Handschmeichler, ein Foto von einem Menschen oder Ort, der dir guttut, eine Playlist, einen kurzen Text mit beruhigenden Sätzen und eine Liste mit Menschen, die du anrufen kannst. Ergänze einen kleinen Notfallplan: Woran merke ich, dass es mir schlechter geht? Was hilft mir dann? Wen rufe ich an?

So übst du richtig

  • Regelmäßig: Mehrmals pro Woche wenige Minuten üben ist wirksamer als selten und lang.
  • In ruhigen Momenten: Neue Übungen erst ausprobieren, wenn es dir einigermaßen gut geht.
  • Die eigene Mischung finden: Notiere, welche Übungen dir helfen, und baue daraus deinen persönlichen Werkzeugkasten.
  • Freundlich bleiben: Wenn eine Übung heute nicht funktioniert, ist das kein Versagen. Probiere eine andere.

Wann professionelle Hilfe wichtig ist

Wenn belastende Erinnerungen, Albträume oder Anspannung über Wochen anhalten, den Alltag einschränken oder du dich häufig wie abgeschaltet fühlst, ist eine traumatherapeutische Abklärung sinnvoll. Stabilisierung allein verarbeitet die Erinnerungen nicht – dafür gibt es wirksame Behandlungen wie EMDR. In akuten Krisen erreichst du die TelefonSeelsorge rund um die Uhr kostenlos unter 0800 111 0 111 oder den Notruf unter 112.

Häufige Fragen

Was tun, wenn eine Übung die Anspannung verstärkt?

Brich die Übung ab und wähle eine, die stärker nach außen gerichtet ist, etwa Gegenstände im Raum benennen oder dich bewegen. Nicht jede Übung passt für jeden Menschen.

Wie oft sollte ich die Übungen machen?

Am besten regelmäßig, zum Beispiel täglich ein paar Minuten. So werden die Übungen vertraut und sind in belastenden Situationen leichter abrufbar.

Kann ich mit der Schmetterlingsumarmung selbst EMDR machen?

Nein. Die Schmetterlingsumarmung ist eine Beruhigungstechnik. Die Verarbeitung traumatischer Erinnerungen sollte in einer professionellen Therapie stattfinden.

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Begriffe in diesem Artikel

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