EMDR bei Angst, Panik und Phobien: Was hilft und was die Forschung sagt
Flugangst nach turbulenten Flügen, Panik seit einem Unfall, Zahnarztangst nach schlechten Erfahrungen: Wann EMDR bei Ängsten helfen kann – und wann andere Methoden besser belegt sind.
EMDR ist vor allem als Traumatherapie bekannt. Doch viele Ängste haben einen konkreten Ursprung: Wer einmal einen schweren Autounfall erlebt hat, fährt vielleicht nur noch mit Herzrasen. Wer nach einem Hundebiss im Krankenhaus lag, wechselt die Straßenseite, sobald ein Hund auftaucht. Kann EMDR auch bei solchen Ängsten helfen? Und wie sieht es bei Panikattacken oder generalisierten Ängsten aus?
Wann eine Angst mit einem Erlebnis zusammenhängt
Ängste entstehen auf unterschiedlichen Wegen. Manche entwickeln sich schleichend, andere lassen sich auf ein bestimmtes Erlebnis zurückführen – etwa:
- Flugangst nach einem Flug mit starken Turbulenzen
- Fahrangst nach einem Unfall
- Zahnarzt- oder Spritzenangst nach schmerzhaften Behandlungen
- Angst vor Hunden nach einem Biss
- Panikattacken, die erstmals in einer extrem belastenden Lebenssituation auftraten
- Geburtsangst nach einer traumatisch erlebten früheren Geburt
Wenn eine Angst mit einer konkreten Erinnerung verknüpft ist, setzt EMDR genau dort an: Die belastende Erinnerung wird verarbeitet, damit sie ihre emotionale Kraft verliert.
Wie EMDR bei Ängsten angewendet wird
Das Vorgehen folgt dem bekannten Protokoll mit acht Phasen und dem dreigliedrigen Ansatz aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft:
- Vergangenheit: Bearbeitet werden die Erinnerung an das erste angstauslösende Erlebnis, die schlimmste Episode und gegebenenfalls die jüngste.
- Gegenwart: Aktuelle Auslöser werden verarbeitet – etwa der Gedanke an den nächsten Flug oder das Geräusch des Zahnarztbohrers.
- Zukunft: Mit einer Zukunftsprojektion stellt sich die Person vor, wie sie die gefürchtete Situation gut bewältigt.
Oft wird EMDR bei Ängsten mit Übungen im Alltag kombiniert, bei denen gefürchtete Situationen schrittweise aufgesucht werden. Mehr zum Ablauf: Die 8 Phasen der EMDR-Therapie.
Was sagt die Forschung?
Für EMDR bei Angststörungen gibt es mehrere Studien, darunter zu spezifischen Phobien und zur Panikstörung, die positive Effekte zeigen. Die Studienlage ist jedoch deutlich kleiner und weniger einheitlich als bei der PTBS. Für die meisten Angststörungen gilt die kognitive Verhaltenstherapie mit Exposition als die am besten belegte Behandlung und wird in Leitlinien als erste Wahl empfohlen.
Das bedeutet: EMDR kann eine sinnvolle Option sein – besonders, wenn die Angst eindeutig auf ein belastendes Erlebnis zurückgeht oder wenn eine Exposition allein nicht ausreichend geholfen hat. Eine Garantie, dass EMDR bei jeder Angst wirkt, gibt es nicht. Mehr zur allgemeinen Studienlage: Wie gut wirkt EMDR?.
Panikattacken: Ein besonderer Fall
Panikattacken sind plötzliche Anfälle intensiver Angst mit Herzrasen, Atemnot, Schwindel oder dem Gefühl, zu sterben oder die Kontrolle zu verlieren. Häufig entsteht danach eine „Angst vor der Angst“, die zu Vermeidung führt. Bei der Panikstörung ist die kognitive Verhaltenstherapie gut belegt. Sie hilft unter anderem, die körperlichen Symptome richtig einzuordnen und sich ihnen gezielt auszusetzen. EMDR kann ergänzend eingesetzt werden, etwa um die Erinnerung an die erste, besonders bedrohlich erlebte Panikattacke zu verarbeiten.
Wichtig: Bei Symptomen wie Brustschmerz oder Atemnot sollten körperliche Ursachen ärztlich abgeklärt werden.
Angst als Teil einer PTBS
Manchmal steckt hinter einer Angst eine Posttraumatische Belastungsstörung – etwa wenn neben der Angst auch Flashbacks, Albträume und starke Schreckhaftigkeit auftreten. Dann ist EMDR eine der leitlinienempfohlenen Behandlungen. Eine sorgfältige Diagnostik klärt, welche Störung vorliegt. Typische Anzeichen beschreibt der Artikel PTBS-Symptome erkennen.
Was du jetzt tun kannst
- Lass deine Angst von einer Psychotherapeutin abklären, um die passende Behandlung zu finden.
- Frag gezielt nach, ob die Therapeutin Erfahrung mit EMDR und mit Expositionsverfahren hat.
- Nutze Stabilisierungs- und Atemübungen, um akute Anspannung zu senken: Stabilisierung im Alltag.
Häufige Fragen
Hilft EMDR bei Flugangst?
Wenn die Flugangst auf ein konkretes belastendes Erlebnis zurückgeht, kann EMDR helfen. Häufig wird es mit schrittweiser Exposition kombiniert.
Hilft EMDR bei Panikattacken?
EMDR kann ergänzend helfen, etwa um die Erinnerung an die erste Panikattacke zu verarbeiten. Für die Panikstörung ist die kognitive Verhaltenstherapie besser belegt.
Zahlt die Krankenkasse EMDR bei Angst?
Die Kassenanerkennung von EMDR als Methode bezieht sich auf die PTBS bei Erwachsenen. Bei Angststörungen wird die Psychotherapie über das jeweilige Richtlinienverfahren genehmigt.
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