Die Flash-Technik: Was Therapeutinnen über die Methode wissen sollten
Entlastung von belastenden Erinnerungen, ohne sie bewusst durchleben zu müssen? Die Flash-Technik ergänzt seit einigen Jahren das Repertoire vieler EMDR-Therapeutinnen. Ein Überblick für Fachleute.
Die Flash-Technik gehört zu den jüngeren Entwicklungen im Umfeld von EMDR. Sie wurde von dem US-amerikanischen Psychologen Philip Manfield und Kolleginnen entwickelt und 2017 erstmals beschrieben. Das Besondere: Die belastende Erinnerung wird nicht bewusst durchlebt, sondern bleibt im Hintergrund, während die Aufmerksamkeit bei einer positiven Ressource liegt. Für Patientinnen, die bei der klassischen Verarbeitung schnell überflutet werden, kann das eine sanfte Möglichkeit sein, erste Entlastung zu erfahren.
Wie die Flash-Technik abläuft
- Ressource wählen: Die Patientin wählt eine positive, möglichst fesselnde Aktivität oder Erinnerung, die sie gedanklich lebhaft halten kann – etwa ein Hobby, einen schönen Urlaubsmoment oder ein Musikstück.
- Belastende Erinnerung benennen: Die Zielerinnerung wird nur kurz identifiziert, ohne Details zu besprechen, und die Belastung eingeschätzt.
- Erinnerung in den Hintergrund: Die Patientin wird gebeten, die Erinnerung nur am Rand des Bewusstseins zu lassen, sich aber vollständig auf die positive Ressource zu konzentrieren.
- Bilaterale Stimulation und „Flashes“: Während die Patientin bei der Ressource bleibt und sich zum Beispiel selbst bilateral klopft, gibt die Therapeutin wiederholt das Signal „Flash“, bei dem die Patientin einige Male schnell blinzelt.
- Überprüfung: Nach einigen Durchgängen wird kurz geprüft, wie belastend die Zielerinnerung jetzt ist.
Wofür wird die Flash-Technik eingesetzt?
- Vorbereitung: Sehr belastende Erinnerungen werden so weit entschärft, dass anschließend eine reguläre EMDR-Verarbeitung möglich ist.
- Patientinnen mit geringem Toleranzfenster: wenn bereits das Aufrufen einer Erinnerung zu Überflutung oder Dissoziation führt.
- Zeitlich begrenzte Settings: etwa in Kriseninterventionen.
Die Flash-Technik ersetzt die vollständige Verarbeitung nach dem Standardprotokoll in der Regel nicht, sondern wird als Ergänzung verstanden. Zur Einordnung in das Gesamtprotokoll: Die 8 Phasen der EMDR-Therapie.
Was sagt die Forschung?
Seit der ersten Beschreibung wurden Fallserien und einige kontrollierte Studien veröffentlicht, die über eine deutliche Abnahme der subjektiven Belastung berichten. Die Studien sind jedoch überwiegend klein, teils an nicht-klinischen Stichproben durchgeführt und häufig von Forschenden aus dem Entwicklerumfeld. Unabhängige, größere Studien mit Patientinnen mit PTBS und längeren Nachbeobachtungen stehen noch aus. Der Wirkmechanismus ist ebenfalls offen; diskutiert werden unter anderem eine Belastung des Arbeitsgedächtnisses und Prozesse der Gedächtnisrekonsolidierung.
Hinweise für die Praxis
- Eine fundierte Einführung in die Technik ist wichtig, bevor sie mit Patientinnen eingesetzt wird.
- Die Einbettung in einen Gesamtbehandlungsplan mit Anamnese und Diagnostik bleibt unverzichtbar.
- Patientinnen sollten realistisch über den Forschungsstand informiert werden.
- Nach der Anwendung sollte geprüft werden, ob eine vollständige Verarbeitung nach dem Standardprotokoll angezeigt ist.
Häufige Fragen
Ist die Flash-Technik dasselbe wie EMDR?
Nein. Sie nutzt Elemente wie bilaterale Stimulation, unterscheidet sich aber darin, dass die belastende Erinnerung nicht bewusst bearbeitet wird. Sie wird meist ergänzend eingesetzt.
Wie gut ist die Flash-Technik belegt?
Erste Studien sind vielversprechend, aber klein. Größere unabhängige Studien mit Patientinnen mit PTBS stehen noch aus.
Quellen & weiterführende Literatur
- Manfield, P., Lovett, J., Engel, L. & Manfield, D. (2017): Use of the Flash Technique in EMDR Therapy: Four Case Examples. Journal of EMDR Practice and Research, 11(4), 195–205
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