6. Oktober 2026 Unabhängiges Wissen zu EMDR und Traumafolgen
EMDR & Trauma Ratgeber

Lexikon

Bilaterale Stimulation

Auch bekannt als: BLS, bilaterale Stimulierung, Augenbewegungen

Kurz erklärt

Bilaterale Stimulation bezeichnet abwechselnd links und rechts gesetzte Reize – Augenbewegungen, Berührungen oder Töne –, die während der Verarbeitungsphase einer EMDR-Sitzung eingesetzt werden.

Die bilaterale Stimulation (BLS) ist das sichtbarste Merkmal von EMDR. Die Therapeutin führt zum Beispiel ihre Hand oder einen Lichtpunkt rhythmisch hin und her, und die Klientin folgt mit den Augen, während sie die belastende Erinnerung im Blick behält.

Formen der Stimulation

  • Visuell: geführte Augenbewegungen, z. B. per Hand oder Lichtleiste
  • Taktil: abwechselndes Antippen der Hände oder Knie, auch mit vibrierenden Pads
  • Auditiv: Töne, die abwechselnd auf dem linken und rechten Ohr erklingen

Ein einzelner Durchgang (ein „Set“) dauert meist etwa 20 bis 40 Sekunden. Geschwindigkeit, Dauer und Art der Stimulation werden an die Reaktion der Klientin angepasst.

Wie wirkt die bilaterale Stimulation?

Der genaue Wirkmechanismus ist noch nicht abschließend geklärt. Eine gut untersuchte Erklärung ist die Arbeitsgedächtnis-Hypothese: Wer gleichzeitig eine Erinnerung festhält und einer Aufgabe wie den Augenbewegungen folgt, belastet das Arbeitsgedächtnis doppelt. Die Erinnerung verliert dadurch an Lebendigkeit und emotionaler Intensität. Andere Erklärungsansätze betonen eine Orientierungsreaktion oder Entspannungseffekte.